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Kieler Nachrichten


Jessica Bunjes hat einen sehr schönen Bericht über unseren Betrieb geschrieben. Er ist am 2.2.13 im Journal erschienen. Ausserdem hat sie auch noch schöne Bilder gemacht.
Seine Pferde, sein Leben
Bericht aus der Kieler Nachrichten vom 02.02.2013 geschrieben von Jessica Bunjes

Welsh- Ponys sind für Gerd-Wilhelm Puck (61) ein Lebensinhalt, der keinen Unterhalt garantiert. Der Pferdezüchter aus Nessendorf stellt am kommenden Wochenende drei Welsh Cob- Hengste auf der Pferdestammbuch Körung in Neumünster vor.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass im beschaulichen Nessendorf, gelegen zwischen Lütjenburg, Plön und Weißenhaus, mehr Zwei- als Vierbeiner leben. Dort, wo Schlauchtrekking eine große Nummer ist, Esel Touristen begeistern und Ferienwohnungen im Sommer für gemietete Gemütlichkeit sorgen, kreist eine Großfamilie (fast) nur um ihre Pferde: Gerd-Wilhelm Puck und Anhang züchten auf dem Familienhof Welsh Cobs, ein ursprünglich englischer Ponyschlag, im Schnitt 1,45 Meter groß, gemessen bis zum Widerrist. „Die sind verlässlich, umgänglich und leistungsbereit“, zählt Puck die positiven Attribute seiner sportlichen Lieblinge auf, für die seine Familie auf Vieles Verzichtet, denn kosten tun die Vierbeiner genug, während das große Geld mit ihnen nicht zu verdienen sei. „Aber es ist einfach schön“, sagt der Landwirt, der in seiner Küche auf der Holzbank sitzt, umringt von einer Handvoll Familienmitgliedern. „Die Pferde schweißen zusammen“, findet Puck und nennt das frühmorgendliche Füttern, die täglichen Fahrten in die mehrere Kilometer entfernte Reithalle in Futterkamp und nach Mönchneversdorf zum Training und Freispringen, das Spazierengehen zum Konditionsaufbau, das Bangen darum, ob ein Pferd die Erwartungen erfüllt und die unzähligen Gespräche rund um die Vierbeiner, die er seit 46 Jahren züchtet.
Angefangen hat der Pferdemann mit Holsteiner. Mit viel Idealismus und noch mehr Pferdeliebe. Dabei ist es geblieben, auch wenn er vor 25 Jahren das Lager wechselte, als die Welsh Cob Stute Starlight zu ihm kam. Ein gutes Stück kleiner als ein springbegabter Holsteiner, vom Typ her etwas stämmiger, bestens geeignet zum Fahren und vom Gemüt her mehr Familien-als Championatspferd. „Die war gelassen und völlig klar im Kopf“, schwärmt der Züchter über das Pferd, das seine Welsh Zucht begründete. Starlight wurde Mutter von Elitestute Sophie. Aus dieser Linie stammen die gekörten Hengste Feenruf, Babalou, Sion Solero, und Big Twister. „Seid 2003 haben wir, bis auf 2010, jedes Jahr in Folge einen Hengst gehört bekommen“ erinnert sich Puck stolz an diesen wiederholten „Ritterschlag“ der Pferdezucht, der für viele Mühen entschädige, auch wenn er nicht „das große geld“ mit sich bringe, Feenruf war 2001 sein erster „Gekörter“, zwei Rassesieger stellt der 61-Jährige kurz darauf 2005 Sion Solero und 2006 Brilliant. Im Vorjahr setzte die kleine Zucht, die den Namen „Welsh Cobs vom Möhlenbeek“ trägt, in Neumünster aus - es waren in dem Kör- Jahrgang nur Stutfohlen geboren worden. „Ich ziehe ohnehin nur zwei, drei Fohlen im Jahr, die Hengste kommen dreijährig zur Körung, werden danach im Idealfall verkauft. Von den Stuten machen nur die besten ihre Leistungsprüfung, weil sie dafür angeritten werden müssen, ist ihre Ausbildung teurer. Das lohnt sich kaum, heutzutage geben viele Käufer nicht mehr das Geld für Pferde aus.“
Dieses Mal werben aus dem Gestüt Möhlenbeek gleich drei Anwärter in Neumünster um die Zuchtzulassung. „Da braucht man ein Team, um auf den Punkt vorbereitet zu sein“ sagt der Pferdestammbuch- Körbezirksvorsitzende Plön/Ostholstein, der dem Verband ab Donnerstag hilft und sogar Boxenschilder an Holztüren klebt. Hinter drei dieser halb vergitterten Mietställen bringt „Team Nessendorf“ während der Körtage den schlanken Rappen Sions Number One, den Schweiß- Fuchs Lord Luck und den lackschwarzen Lord Lou unter.
Freitag geht es rund: „Einer hat meistens ein Pferd in der Hand, der andere fungiert als Peitschenführer, dann wartet schon die anderen Hengste auf ihren Auftritt - da muss alles im Ablauf stimmen. Man braucht viele Hände. Die Routine hilft zwar, aber die Tage sind Adrenalin pur“ erzählte Franziska Halske (30), die zwei dieser Hände mitbringt, als Erzieherin arbeitet und mit Fuchshengst Babalou Landesmeisterin im Pony – Einspänner - Fahren ist. Zupacken kann auch Pucks ein Jahr jüngerer Bruder Ulrich aus Oldenburg. Der ist ebenfalls mit Möhlenbeeks Cobs erfolgreich, mehrfacher Kreismeister bei den Ein- und Zweispänner. „Wenn der nicht hier ist, ist er krank“, frotzelt Gerd Puck, dessen Söhne nebst Frauen und Kinder ebenfalls vom Pferdevirus befallen sind. Sönke (29) und Freundin Franzi sitzen an diesem Tag neben Gebrüder Puck auf der Küchenbank, Schwiegertochter Donatha (29) ist damit beschäftigt, ihre Söhne Tjark (5) und Marten (3) im Zaum zu halten. Pucks zweiter Sohn Henning, ihr Mann, versucht kommendes Wochenende Selbiges mit den Hengsten auf der Körung. Der 32- Jährige ist dort der Läufer, muss so schnell traben, dass sie sich der Körkommission um Elisabeth Jensen (Felde) optimal zeigen. Franzi Halske rennt mit der „Pietsch“ hinterher, um die dreijährigen Vierbeiner anzutreiben, die keinen Sattel kennen, noch nie geritten worden sind, um im Testosteron Wettstreit mit rund 130 vierbeinigen Kollegen stehen, die vor der Holstenhalle auf ihren Auftritt warten.
Jetzt aber sitzen sie noch in Nessendorf auf der schlichten Küchepritsche, wo sie Pläne schmieden und fachsimpeln, währen Pucks Frau Anke ihnen „den Rücken frei hält“ wie Gerd Puck schmunzelnd verrät. Keiner legt Wert auf Luxus. „Die Pferde machen glücklich“, sagt Franzi bestimmt. Die letzten tage vor der Körung zittern sie gemeinsam, „ dass bloß nicht schiefgeht“. Vor allem wiederkehrendes Glatteis bereitet Sorge, denn Pferdebeine kommen unter energietrotzenden Muskelpaketen schnell ins Rutschen. „Die Hengste dürfen seit Wochen nicht mehr auf die gefrorene Koppel, das Verletzungsrisiko ist zu hoch“, sagt Puck und lächelt in sich hinein. Er weiß, was er tut. Immerhin ist der Pferdenarr lange genug im Geschäft. Und zur Not könnte er fragen mit einem ganzen Trupp Begeisterter ausführlich diskutieren.


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